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Viktor Martinowitsch

vom 01.12.2016 – 31.05.2017

Viktor Martinowitsch
  • Herkunft: Belarus
  • Jahrgang: 1977
  • Letzte Veröffentlichung:
    «Mova» (Voland & Quist 2016, aus dem Belarussischen von Thomas Weiler)
  • Auszeichnungen:
    Maksim-Bahdanowitsch-Preis 2012 für den Internet-Roman «Eisiger Süden», Longlist des russischen «National Bestseller Prize 2013» für die Erzählung «Sphagnum»

«Sie entfaltete also rasch das Briefchen in ihrer Hand, der Text darauf war so winzig, dass wir die Köpfe zusammenstecken mussten, das fühlte sich gut an. Er war von Hand geschrieben, in unterschiedlich großen Druckbuchstaben, mit Verzerrungen wie bei den Captchas zur Onlinesicherheit. Inzwischen weiß ich, dass damit die mobilen Scanner ausgetrickst werden sollen, damals wunderte ich mich noch darüber. Der Text war gereimt und wunderschön. Beim ersten Lesen blieb mir ungefähr ein Drittel der Wörter unverständlich, ich las noch mal von vorn, und da kam ich auf den Trip. Wie so oft bei Mova-Texten ist er fest in meinem Hirn gespeichert, er wird noch da sein, wenn ich schon tot bin.» Aus: «Mova»

 

 

 

«Eine Sprache mit gewaltiger Sogwirkung»

Viktor Martinowitsch, *1977, studierte Journalistik und Kunstgeschichte in Minsk. Sein erster Roman «Paranoia» (Voland & Quist, 2014, aus dem Russischen von Thomas Weiler) wurde nach Erscheinen in seiner Heimat inoffiziell verboten. «Der Roman spielt in einer Grossstadt, die in jedem Detail dem heutigen Minsk entspricht. Die Herausforderung des Regimes war offensichtlich: Der Roman verschwand nach zwei Tagen aus den Regalen», schrieb der Osteuropa-Experte Timothy Snyder in einem lobenden Essay in der New York Review of Books.

«Сцюдзёны вырай» (Eisiger Süden) erschien 2011 ausschliesslich als E-Book und gilt, laut dem Autor, bis heute als der am meisten heruntergeladene Roman von Belarus. Im Herbst 2016 ist Martinowitschs zweiter Titel auf Deutsch erschienen: «Mova» (Voland & Quist, 2016, aus dem Belarussischen von Thomas Weiler) spielt im Jahr 4741 chinesischer Zeitrechnung in Minsk unter chinesisch-russischer Herrschaft und handelt von einer Droge aus Buchstaben, welche die Stadt in Aufruhr versetzt. Martin Becker attestierte Martinowitsch auf Deutschlandradio Kultur «eine Sprache mit gewaltiger Sogwirkung».

Viktor Martinowitsch lehrt Politikwissenschaften an der Europäischen Humanistischen Universität in Vilnius und schreibt regelmässig für ZEIT online. Er war 2014 Stipendiat am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien und hatte 2015 ein Residenzstipendium am Literarischen Colloquium Berlin.

 
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