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Sreten Ugričić

vom 01.12.2012 – 31.05.2013

Sreten Ugričić
  • Herkunft: Serbien
  • Jahrgang: 1961
  • Letzte Veröffentlichung:
    An den unbekannten Helden, Berlin: Dittrich Verlag, 2011.
  • Auszeichnungen:
    1993: Preis der Stiftung Borislav Pekić.

«Hier oben befindet sich die grosse Antenne des HS, des Hauptsenders, der ganz Serbien abdeckt. Aber seit Jahren schon funktioniert er nicht. Er droht nur. Hoch oben und furchterregend ist der Sender, er sieht aus wie das vergrösserte Megaphon des Diktators. […] Der Diktator diktiert. Serbien ist auf diese eine und einzige Frequenz eingestellt. Das Surren ist unerträglich. Der HS, der Hauptsender, versprüht schnelle knisternde Blitze. » Aus: An den unbekannten Helden

 

 

 

Romancier, Essayist, Konzeptkünstler, Astronom und Philosoph

Der 1961 in Herceg Novi, Jugoslawien geborene Romancier, Essayist, Konzeptkünstler, Astronom und Philosoph Sreten Ugričić ist Autor einer Sammlung von Kurzgeschichten, sowie drei Romanen. Sein Buch «An den unbekannten Helden» («Neznanom junaku»), erschienen 2011 im Dittrich Verlag, ist seine erste Veröffentlichung in deutscher Sprache. In dieser Gegen-Utopie entmythologisiert Sreten Ugričić das Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajewo, das hundert Jahre lang in Serbien bejubelt wurde. Ugričić demaskiert eine unterdrückte, vom Nationalismus zersetzte Gesellschaft. Er stellt literarisch die Frage nach der Position, die ein Einzelner in einer solchen Gesellschaft überhaupt einnehmen kann, und denkt über die Konsequenzen von Manipulation durch den Staat und sukzessive Freiheitsbeschränkung nach.

Sreten Ugričić studierte Philosophie an der Belgrader Universität und arbeitete später u.a. in Priština und Budapest für das Open Society Institute. Nach dem Sturz von Slobodan Milošević wurde er im Jahr 2001 zum Direktor der Nationalbibliothek ernannt. Im Januar 2012 wurde er von der serbischen Regierung seines Amtes enthoben, nachdem er einen Aufruf des serbischen Schriftsteller-Forums unterschrieben hatte, die mediale Hetz-kampagne gegen den montenegrinischen Autoren Andrej Nikolaidis einzustellen, der in einem satirischen Text anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung der «Republika Srpska» die Frage gestellt hatte, ob es nicht eine «zivilisatorische Tat» wäre, die Führung der «auf Genozid gegründeten» bosnischen Entität mithilfe von Dynamit zu beseitigen. (Er bezog sich dabei auf den Fund von Sprengstoff am Vorabend der Feierlichkeiten in Banja Luka.) Daraufhin starteten die serbischen Print-Medien ihre Kampagne gegen Nikolaidis. Sreten Ugričić äusserte sich nicht zum Nikolaidis-Text an sich, sondern forderte gemeinsam mit anderen Literaten lediglich, die Medienhetze einzustellen.

 
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