Autorinnen & Autoren

Xiaolu Guo

vom 01.06.2015 – 30.11.2015

Xiaolu Guo
  • Herkunft: China
  • Jahrgang: 1973
  • Letzte Veröffentlichung:
    «Ich bin China» (Knaus, 2014)
  • Auszeichnungen:
    Nomination Orange Prize for Fiction, 2007; Nomination International IMPAC Dublin Literary Award, 2006; Pearl Award, 2005; Nomination Foreign Fiction Prize, 2005; ICA Becks Futures Award, 2004.

«… ich sitze in der muffig riechenden kleinen Bibliothek und fühle mich beim Schreiben wie ein Mongole ohne Pferd. Ach, viel zu pathetisch, was soll der Scheiss. Ich habe keine Armee, die in die Schlacht zieht, und vor den Fenstern dieses Zimmers liegt auch keine Steppe. Meine Welt besteht aus einem Stapel gerichtlicher Schriftstücke und dem Kreischen von Möwen irgendwo in der Nähe. Selbst wenn sie mich hier nicht brauchen können, versuche ich etwas NÜTZLICHES zu tun. Ich beschäftige mich mit europäischer Geschichte und lerne wie damals in der Schule, aber ich bin zu alt, um mich umerziehen zu lassen. Trotzdem will ich NÜTZLICH SEIN – das ist mein Ziel. Jemand hat das einzige Bibliotheksexemplar von ‹Das Kapital› mitgenommen, darum habe ich nichts Vernünftiges mehr zu lesen. [...].» Aus: «Ich bin China» (Knaus, 2014, S. 92)

 

 

 

Zehnte Writer in Residence

Xiaolu Guo bewegt sich zwischen zwei Kulturen, zwei Sprachen, zwei Kunstgattungen. Geboren 1973 in einem Fischerdorf im Süden Chinas, wo sie als Tochter eines Künstlerpaars aufwuchs, studierte sie zunächst an der Filmhochschule in Peking, nebenher schrieb sie Geschichten und Romane. Wegen Zensur in China konnte sie keine Filme realisieren, obwohl sie während ihres Studiums als Chinas beste Drehbuchautorin ausgezeichnet wurde. Die Behörden verbaten ihr die Verfilmung der Drehbücher, doch in Romanform konnte sie ihre Geschichten publizieren. 2002 wanderte Xiaolu Guo, unter anderem inspiriert von französischer Literatur, mit einem Stipendium aus. Sie lebte in Paris, Berlin und liess sich in London nieder, wo sie an der National Film und TV School studierte und endlich ihre Filme realisieren konnte. Seit 2007 schreibt Xiaolu Guo auf Englisch. Mit dem Roman «Kleines Wörterbuch für Liebende» (Knaus 2008) gelang ihr der internationale Durchbruch. Der Bestseller wurde vom Englischen in 23 weitere Sprachen übersetzt. Die Schweiz ist der Autorin durch diverse Besuche und Auftritte bereits ziemlich vertraut. Genf, Lausanne, Zürich und das Tessin kennt sie recht gut und sagt: «Ich finde, die Schweiz ist ein sehr freundlicher Ort für meine Kunst.» Ihr Film «She, a Chinese» gewann 2009 den Goldenen Leoparden am Flimfestival in Locarno.

 
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